Herausgeber: Hans Ostwald
Band I.- III. 1903-1905
Verlag: "Harmonie" Verlagsgesellschaft Literatur u. Kunst Berlin
Band I. u. II.
Verlag: Karl Heuckell & Co. Leipzig-Berlin Band III.
Grösse: 10 cm x 17,5 cm x 1cmInhaltsaufteilung: Band I. und II
Ältere Lieder, Handwerkerlieder, Volkstümliches,
Die Orientkunden, Aus Pennen und Kaschemmen und von der Straße,
Dichterstimmen, Großstadt, Varia.Inhaltsaufteilung: Band III
Volkslieder, Von der Strähle, Im Kittchen, Dirnen,
Großstadt, Spreu, Anhang.
In Band III. sind auch Noten verzeichnet. Im Anhang
teilweise Noten aus Band I. u. II.
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"Lieder aus dem Rinnstein", diese Sammlung ist die erste umfassende Zusammenstellung von Landstreicherlieder, Kundenlieder, Handwerkerlieder, sowie Lieder aus Kaschemmen und Herbergen. Der wandernde Handwerksbursche aus verschiedenen Zünften, wie Zimmerleute, Kesselflicker, Maurer, Bäcker, Lumpensammler oder Schuster, die wandernden Scholarenverbindungen, Lehrer, Theologen, Studenten, sie alle werden in der Liedersammlung eindrucksvoll dargestellt und beschrieben. Auch gesellschaftliche Aussenseiter der damaligen Zeit, Zigeuner, Landstreicher, Bettler und Huren, kommen bei Ostwald zu Wort, ungeschminkt und wirklichkeitsnahe.
Hans Ostwald, der sich Ende des 19. Jahrhunderts noch selbst auf der Walze (der Landstraße) befand und viele Lieder auf seiner Wanderschaft sammelte, legte sein Werk zusammenhangslos aneinander, ohne auf die inhaltlichen Bezüge und Zusammenhänge Rücksicht zu nehmen. So wurden in seiner Sammlung die Lieder der Landstreicher mit den Handwerkszünften-, Volks- und Wanderlieder mit Scholaren- und Vagabundenlieder zusammengebracht und für die Nachwelt erhalten.
Ostwald hat auch in seinen Sammlungen nicht nur Lieder übermittelt, sondern auch Aufzeichnungen verschiedenster Zeitgenossen vorgenommen. So werden die Orientkunden auf das genaueste mit ihren "Spitznamen" beschrieben, aus Gassen und Winkel die Originale aus der Stadt Wien, oder das Leben in der Großstadt Berlin festgehalten.
xxx Unter vielen Liedern findet man Anmerkungen, sowie Worterklärungen, die aus dem "Jenisch", oder "Rotwelsch" stammen, einer alten Handelssprache, die seit dem 13. Jahrhundert überliefert ist. Diese Handelssprache wurde im 18. Jahrhundert auf der Landstraße von Handwerksburschen und Haussierhandwerkern angewandt. Sie verständigten sich untereinander in der "Geheimsprache" oder tauschten wichtige Neuigkeiten aus, die für Dritte nicht bestimmt waren. Die Wörter aus dem "Rotwelsch" setzten sich aus deutscher Grammatik, dem Jiddischen, sowie aus dem "Roma" zusammen. Peter Rohland war es, der diese Lieder Anfang der 60ziger Jahre ausgegraben und in Studenten- und Kellerkneipen Berlin`s vortrug. Aufmerksamkeit und eine größere Verbreitung fanden die Lieder der Landstraße auf Burg Waldeck.
1964 fand das erste Festival "Chanson Folklore International", das die ABW (Arbeitsgemeinschaft Burg Waldeck) veranstaltete, statt. Peter Rohland war als einer der wichtigsten Sänger dabei, sang seine Landstreicherballaden und jiddischen Lieder. Ihm gebührt der Verdienst, diesen Liedern neues Leben eingehaucht zu haben.
Peter Rohland veröffentlichte unter anderem zusammen mit Schubert Schulz 1965 bei Polydor seine legendere "Landstreicher-LP".
Der Volkssänger Peter Rohland, der kaum 33 Jahre alt, am 5 April 1966 verstarb, bleibt für alle die ihn kannten, durch seine Lieder unvergessen.
Mehr über Peter Roland: www.burg-waldeck.de
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Hans Ostwald schreibt in seiner Einleitung:
Als ich vor Jahren auf der Landstraße und in Herbergen leben musste, hörte ich Lieder von seltsamem Klang. Gewiss, alte Volks- und Wanderlieder wurden auch gesungen, aber die echten "duften Kunden", die gewohnheitsmäßigen Landstreicher, sangen andere Weisen.
Wie so viele meiner wandernden Genossen schrieb ich mir diese Lieder auf.
Lieder der Landstraße, sind eine treffliche Illustration zum poetischen Schaffen des Volkes. Sie zeigen, wie das Volk mit dem gegebenen Text eines Gesanges sich nicht begnügt, wie es so ein Lied erst durch die Einfügung seines eigenen Lebensinhaltes für sich gewinnt und für sich lebensfähig macht. Ich denke, diese Sammlung bringt alle Töne, die je "im Rinnstein" geklungen oder noch klingen.
Der Kundenschall (Kundengesang) weist noch die Sprache der Landstreicher und Wegelagerer von vor 100 - 150 Jahren auf, während fast alles, was ich sonst unter dem Titel "Aus Pennen, aus Kaschemmen und von der Straße" veröffentlichte, in modernen Landstreicherdeutsch gedichtet ist.Ja, alle diese so abseits von Poetenwerkstätten aufgeblühten Gedichte sind doch ein bedeutungsvolles Zeichen vom allgemeinen poetischen Empfinden unseres Volkes. Das soll nicht überschätzt werden, es soll aber auch nicht unterschätzt werden. Wer aber von der Poesie nicht nur Form sondern vor allem poetisches Empfinden verlangt, der wird den Wert jener Verse schätzen.